Konzertbericht von Andrea Stahlberger, Cellistin und Pädagogin in Wilen,Schweiz

Steg - Ansicht
Steg – Ansicht

Seit Ostern 2017 bin ich glückliche Besitzerin einer von Helmut Bleffert  neu gebauten Campanula. Das Einspielen dieses Instrumentes ist schon ein Erlebnis für sich, da ich merke wie  jeder Ton, die Art, wie ich ihn spiele, sich wie einer Art Klang-Gedächtnis dem  Holz einverleibt. Das Hören wird durch das Obertonspektrum, das sich durch die 16 Resonanzsaiten entfaltet, in völlig neue Klang-Räume geführt. Auf dem Cello hatte ich diese Klang-Räume schon immer vergeblich gesucht, da beim Cellospielen der Ton nur durch aktives, ständiges Streichen wahrnehmbar bleibt. Bei der Campanula tritt nun, vor allem in der Improvisation,  für die gesamte Spieltechnik etwas völlig Neues hinzu: ich darf loslassen, dem Klang nachlauschen, ihn durch feinste Änderungen noch farbenreicher gestalten. Der Klang umhüllt mich, er verlässt mich nicht nach vorne, wie beim Celloklang.
Am 28.12. 2017 gab ich ein erstes öffentliches  Konzert mit der Campanula. Ich wollte dieses Instrument  an meiner Musikschule in Horgen (Region Zürich) unter dem Titel „Farbklänge-Klangfarben“ einem breiteren Publikum  vorstellen.  Die Zuhörer  sollten die Campanula zunächst im Klassischen Kontext, mit Gesang (Bariton) und Cello erleben können. Wir spielten Werke von Orlando di Lasso, Heinrich Schütz , Dietrich Buxtehude und Johann Sebastian Bach.  Nach der Pause gingen wir dann über in die freie Improvisation u.a. auch zu zwei Bildern, die Helmut Bleffert  eigens für dieses Konzert gemalt hatte. In beiden Teilen des Abends war eine sehr konzentrierte, interessierte Aufmerksamkeit der Zuhörer wahrzunehmen. Dies zeigten später die Fragen, die gestellt wurden. Den anwesenden Kindern schien es ebenfalls nicht langweilig zu sein. In der Pause erzählten sie mir begeistert wie viele Saiten sie gezählt haben und stellten Fragen zur Spielweise.
Mir selbst ist durch dieses Konzert vor allem klar geworden, dass die Campanula, neben der Improvisation, nach einer ganz neuen Musik ruft.  Dennoch bin ich auch sehr gespannt darauf, wie sich nach weiterem Üben im klassischen Bereich, mein Spielen auf der Campanula und schlussendlich ja auch auf dem Cello, verändern wird. Beim Cellounterricht mit Kindern kann ich mir gut vorstellen die Campanula z.B.  am Schluss eines  Klassen-Konzertes zu spielen und darüber ins Gespräch mit den Kindern und Eltern zu kommen. Für den Unterricht mit Erwachsenen kann die Campanula eine grosse Bereicherung sein,  da man durch ihren Klang unwillkürlich in ein neues Hören kommt: ein Lauschen und Nachlauschen des Tones, das  gerade in unserer Zeit so notwendig ist.
8. Januar 2018
Andrea Stahlberger