Das Instrument

Die Campanula

„Die Campanula ist kontemplativ und faszinierend. Sie hat die Fähigkeit, jeden Einzelnen in eine völlig neue Klangwelt zu bringen.“
Mark Kosover, 1.Solocellist des Cleveland Orchestra

Campanula Cello halb frontal
Campanula Cello halb frontal

Die Campanula ist eine neue Familie von Resonanz-instrumenten, die es als  Violine, Viola und Violoncello gibt.

In den 1980 Jahren hatte der Instrumentenbauer Helmut Bleffert die Vision, die Resonanzklänge einer indischen Sarangi auf einem klassischen Streichinstrument zu integrieren.
Auf der Suche nach einer Form für das Instrument entstand der Umriss der Blüte einer Glockenblume und so auch der Name „Campanula“. Damit war das neue Instrument in seiner Grundform geboren. Nach vielen Jahren an Entwicklungsarbeit sind die Instrumente heute ausgereift.

Die Campanula- Instrumente sind faszinierend in ihren Entfaltungsmöglichkeiten. Die Resonanzen der  zusätzlich mitschwingenden Saiten führen tatsächlich zu neuen musikalischen Inspirationen.

 

Die mitschwingenden Resonanzsaiten geben dem Spieler einen zusätzlichen Raum aus Obertönen und Kombinationsklängen, in dem und mit dem er „spielen“ kann. Das Spielgefühl ähnelt dem Spielen in einer Kathedralen-Akustik.

Die Campanula ist als eine Ergänzung und Variation der klassischen Streichinstrumente angelegt. Bei gleicher Spieltechnik können mit der Campanula andere Klangwelten musikalisch durchwandert werden.

Die Verfügbarkeit einer homogenen Familie von Streichinstrumenten mit Resonanzsaiten ist neu in der Geschichte des Geigenbaus. Die Kombination der Instrumente  in der Kammermusik führt zu immer wieder überraschenden Klangwirkungen.

Campanula Cello
Campanula Cello

Das Campanula-Cello
erhielt zusätzlich zu den 4 Spielsaiten
16 mitschwingende Resonanzsaiten.  Diese Resonanzsaiten verlaufen über kleine Stege.
Durch geschickte Proportionierung der Instrumentenform gelang es,  diese Resonanzsaiten im unteren und oberen Abschnitt des Instrumentes genau im Abstand eines Ganztones abzustimmen. Dadurch wird die Resonanzschwingung insgesamt harmonisch.
Die Resonanzsaiten werden am Halsansatz mit einem Stimmschlüssel eingestimmt. So können sie je nach Tonart des gespielten Werkes nach Bedarf gesondert eingestimmt werden.

 

 Viola vorn
Campanula Viola

Die Campanula-Viola
erhielt 12 mitschwingende Resonanzsaiten zusätzlich zu den 4 Spielsaiten.

Sie werden über kleine Stege über die Decke geführt, durch den Hals bis in den Wirbelkasten gespannt , wo sie mit Hilfe eines Stimmschlüssel gestimmt werden können.

Die Resonanzwirkung bei der Campanula-Viola ist sehr ausgewogen und  verleiht der Viola einen ausgesprochen warmen und schwingenden Klang.

Aufgrund der zusätzlichen Obertöne hat die Campanula-Viola eine große Tragfähigkeit und Lebendigkeit.

 

Campanula Violine
Campanula Violine

Die Campanula-Violine
erhielt zusätzlich zu den 4 Spielsaiten 11 mitschwingende Resonanzsaiten.

Sie werden durch den Hals in den verlängerten Wirbelkasten geführt, wo sie mit einem Stimmschlüssel gestimmt werden können.

Die Resonanzsaiten erzeugen bei der Campanula-Violine einen hellen und silbrigen Glanz, der sehr tragfähig ist.

 

 Zur Geschichte und Tradition von Resonanzinstrumenten

Das offensichtlich erste europäische Dokument über Streichinstrumente mit Resonanzsaiten wurde in England entdeckt.

Im Jahr 1608 wurde dort ein Patent beantragt, unter dem Violinen und Violen mit zusätzlichen Saiten versehen werden sollten, um den Klang zu verbessern (nach P. Holman, 1992).
Tatsächlich tauchten in England zu Beginn des 17. Jahrhunderts Instrumente mit Resonanzsaiten auf. Unter Bezeichnungen wie „Viola all’inglese“ oder „englisches Violet“ wurden ihre besonderen Klangeigenschaften auch in anderen Ländern beschrieben.

Zur gleichen Zeit entstand das wohl heute bekannteste europäische Resonanzstreichinstrument, die „Viola d’amore“. Sie war sehr beliebt und wurde von Komponisten gerne bei besonders empfindsamen und innig berührenden Momenten innerhalb einer Komposition eingesetzt. Vor allem Antonio Vivaldi liebte das Instrument und schrieb 6 Konzerte für die Viola d’amore.

Die  Viola d’amore erfreut sich nach einer Ruheperiode auch heute wieder großer Beliebtheit, erfordert aber aufgrund der veränderten Saitenstimmung und Saitenlage ein Umstellen der Spieltechnik.

Das parallel entstandene  „Baryton“ war das Bass-Pendant zur  Viola d’amore. Die Resonanzsaiten verliefen beim  Baryton durch den relativ dicken Hals des Instruments und waren von der Rückseite des Halses mit dem linken Daumen zugänglich. So konnten die Resonanzsaiten als Baßlinie gezupft werden, während auf den Spielsaiten mit dem Bogen Melodien gespielt wurden.  Das Baryton war das Lieblingsinstrument des Fürsten Esterhazy (1714-1790) , der seinen bei ihm angestellten Hofkomponisten Josef Haydn tatsächlich zu 175 Kompositionen für das Instrument beauftragte. Das  Baryton ist heute nur noch äußerst selten anzutreffen.

Bei „Volksinstrumenten“, die oft unter freiem Himmel gespielt werden, gibt es manchmal zusätzliche Resonanzsaiten, um das Spielen ohne akustischen Raum klanglich zu intensivieren.

Eine Zusammenstellung einer Auswahl von Resonanzinstrumenten finden Sie auf:
https://de.wikipedia.org/wiki/Resonanzsaite

Abbildungen von Details der Campanula auch in der Galerie